Reise vom 07. bis 24. April 2016

von Renate Schlitt

Pünktlich zur Zeugnisausgabe waren mein Mann und ich, bedauerlicherweise ohne Lilo, in Kathmandu bei unseren Kindern  in der Schule.

 

Mit den Zensuren der Zeugnisse sind wir zufrieden, denn sie liegen, bis auf ein paar Ausnahmen, zwischen gut bis sehr gut. Seit Februar dieses Jahres haben wir zwei neue Mädchen in unserem Programm aufgenommen. Sie haben ihren Vater bei dem Erdbeben im letzten Jahr verloren. Rebika ist 8 Jahre (zweite Bild von oben), ihre Schwester Smita 12 Jahre alt (dritte Bild von oben). Zu unserer Freude konnten wir feststellen, daß beide bereits voll in die Gemeinschaft unserer Kinder und der Schule integriert sind.

Nach der Zeugnisübergabe haben  wir zur " Tea Time" mit Kuchen eingeladen, von Lilo erzählt und die Fragen der Kinder beantwortet. Für uns alle war es sehr emotional, aber die Kinder erinnerten sich an so viele schöne, gemeinsame  Aktivitäten und Anekdoten aus den vergangenen Jahren mit "Lilo  Mom", daß es für alle ein nicht zu  trauriges Gedenken war.

In den folgenden Tagen habe ich den Kindern die Briefe, Bilder und Geschenke von ihren Sponsoren übergegeben. Dabei habe ich mir Zeit gelassen und zusammen mit meinem Mann viele Einzelgespräche geführt - ich bin der Meinung, dass wir uns näher gekommen sind. Für die Kinder war es  ganz wichtig, dass sich an dem KiN Förderprogramm nichts ändert. Bei dieser Gelegenheit nochmals ganz lieben Dank an die Sponsoren, die den Kindern mit ihren lieben Briefen, Fotos und Geschenken das Gefühl vermittelt haben, daß sie auch in Zukunft  für Sie da sein werden.

Am Mittwoch war Neujahrsfest. Dev hatte die Kinder und  uns zu einem Dinner in der Schule eingeladen. Wir hatten bei sehr gutem Essen Gelegenheit mit den Kindern zu plaudern und uns nach den Familien zu erkundigen. Es scheint bei den Familien keine Schwierigkeiten zu geben, was positiv ist.

Zum Ende der Woche hatte Dev ein Picknick vor den Toren Kathmandus auf einer kleinen Bergkuppe organisiert. Mit dem Bus ging es morgens um 8.00 Uhr, für nepalische Verhältnisse äußerst pünktlich los. Nach einstündiger Fahrt gab es, am Ziel angekommen, ein zweites Frühstück, bestehend aus Reis, Gemüse, indischem Brot, Eiern und Tee. Dies alles wurde auf der Bergkuppe in einem kleinen  Häuschen von Dev's Personal und teilweise mit Hilfe der Kinder zubereitet. Danach machten wir  zweistündige Spaziergänge. Ich hatte immer ein bis zwei Mädchen bei mir, die sich fürsorglich um mich kümmerten und mich stützen. Mein Mann machte mit den Jungs einen Ausflug in den "Dschungel". Es wurden keine Wege eingehalten, es ging über Stock und Stein bergauf und bergab. Uns und den Kindern hat es Spaß gemacht.

Am Picknickplatz hatte Dev's Crew das Lunch vorbereitet: Reis, Gemüse, Kartoffeln, Fleisch und Wasser standen zu Auswahl und wie immer toll zubereitet und einfach lecker. Zum Equipment von Dev‘s organisieren Ausflügen gehören stets eine Lautsprecherbox mit Verstärker und Mikrofon. Damit kann von kleinen Chips oder SD-Karten Musik abgespielt werden. Es wurde von den Kindern eifrig getanzt. Von der Musik angezogen, fanden sich auch vier kleine Dorfmädels ein, die uns mit besonderen  Tanzdarbietungen erfreuten. Auch die uns begleitenden zwei Lehrer und Dev's Sohn ließen sich zu  einem Tanzsolo  hinreißen. 

Gegen  17:00 Uhr traten wir die Heimreise an, das bedeutete, dass vor allem die Mädels ununterbrochen sangen wobei sie der Gesangslehrer mit einer Trommel begleitete. Es war für mich und alle Teilnehmer ein erlebnisreicher Tag, den ich auf Grund vieler Gespräche mit den Kindern in bester Erinnerung behalten werde.

Anfang der Woche kam einer unserer Jungen zu uns und erklärte, uns wolle unbedingt eine Mutter einer Freundin aus der Schule kennenlernen und ob wir mal den nächsten Tag kurz Zeit hätten, so gegen 11.00 Uhr. Ja, hatten wir. Nichts ahnend gingen wir mit ihm aus der Schule und dachten, es wäre gleich um die Ecke, weil er uns fragte: Sollen wir laufen? Daraufhin meine Gegenfrage: Ist es weit? Ja, schon ein wenig - dieses wenig war dann eine Taxifahrt von ca. einer halben Stunde. Erwartet wurden wir von einer äußerst netten Familie, die in wirklich einfachsten Verhältnissen lebt empfangen. Sie waren überglücklich uns kennenzulernen und haben für uns ein tolles nepalisches Mittagessen vorbereitet hatte. Wir waren wieder einmal berührt von der nepalischen Gastfreundschaft

Von den Kindern, besser gesagt, von den Erwachsenen, die in der Berufsausbildung sind, ist zu berichten, dass bei Muna, die eine Krankenschwester-Ausbildung macht, alles ordnungsgemäß verläuft. Prem, in der Managementausbildung, ist zufrieden und hat bei einigen seiner Kommilitonen offenbar Familienanschluß.  Gobinda, in der Hotelausbildung, geht jetzt im Rahmen der Ausbildung für ein halbes Jahr in ein Hotel auf die malaiische Insel Langkawi.  Nach seiner Ausbildung tendiert er zur Zeit zum Koch.

Mit unseren SLC-Absolventen wollten wir, wie Lilo es auch immer gehalten hat, zum Essen gehen. Wir stellten Shryata, Sima und Prabin vor die Wahl, wohin? Prem hatten wir auch dazu eingeladen. Diese Vier entschieden sich für einen Wasser-Fun-Park direkt vor den Toren Kathmandus. Also trafen wir uns am besagten Tage und siehe da, unsere Grupe hatte sich noch um Kaushal und Balkumari erweitert. Zwei Taxen fuhren uns für kleines Geld hin und auch später zurück. Die Attraktion dieses Parks waren Wasserrutschen, auf denen man sich aus 10 bis12 Metern Höhe in die Tiefe gleiten ließ, teilweise auf eigenem Körper oder mit Kunststoffmatten oder mit luftgefüllten Ringen. Helmut mußte mit ins Wasser, hat aber sein Alter vorgeschoben, um nicht auf die Wasserrutschen zu müssen. Shryata und Sima waren nicht fürs Wasser und haben auf dem Gelände mit meinem i-pad Fotos und Videos gedreht. Nach den Wasserspielen und Umziehen wurden noch diverse Karussells ausprobiert. Zurück in Kathmandu haben wir eine Kleinigkeit gegessen und getrunken - alle sind sehr zufrieden heimgekehrt.

Den Tag vorher war Einkleiden für alle Mädels angesagt, die Großen entschieden sich allein zu gehen. Mit 6 Kleineren waren Helmut und ich dann 7 Stunden beim Shoppen. Unsere beiden neuen  Mädels kommen aus einer Gegend 150 km entfernt von Kathmandu und waren vorher noch nie in einer Stadt. Zur Sicherheit bekam  daher jeder von ihnen einen Zettel mit unserer Telefonnummer, damit sie uns auf dem Handy anrufen konnten, falls  wir uns in dem Gewühle mal  verpassen sollten. Das Warenangebot und  die Menschenmassen haben sie fast erschlagen - doch zum ersten Mal alleine etwas aussuchen zu dürfen - hat alles aufgewogen. Speziell unsere Kleinste, Rebika, hätte am liebsten  ganz Kathmandu  aufgekauft. Zum Schluß ging es noch in ein Kaufhaus in der Nähe der Schule und dann bekamen unsere beiden Neuen einen gehörigen Schock: Die Erfahrung  einer Rolltreppe! Wir mußten sie in den Arm nehmen und trösten - das war  dann doch Zuviel an neuen Erfahrungen. Ein  großes Eis zum Abschluß  tröstete über alles hinweg.

In den nächsten Tagen hatten wir dann noch sehr viele Gespräche mit den Kindern, die ihre  Prüfungen gemacht hatten und für die die entsprechenden, weiterführenden Schulen gesucht werden müssen. Leider ist es in Nepal so, daß es wirklich keine Ausbildung gibt, die nicht bezahlt werden muß. So etwas wie eine Lehrlingsausbildung existiert nicht.

Kommen wir nun zu einem absoluten Höhepunkt, deshalb, weil es die ganze Schule mit ca. 250 Schülern  sowie  Kindergarten-Kinder betrifft. Dank einer großzügigen Spenderin können  wir seit Jahren den Kindern jährlich Eis spendieren und das ist eine  große Freude für alle. Sie müssen sich vorstellen, einen  Tag vorher werden in einen nahegelegenen Supermarkt etliche Kilo Speiseeis in verschiedenen Geschmacksrichtungen bestellt und dann am „Eistag“ abgeholt. Allerdings hatten wir an diesem Tag 35 Grad im Schatten und das Eis wurde im aufgeheizten Kleinbus abgeholt. Schon beim Hereinholen tropfte das Eis durch die Papierbehälter und so mußte alles ganz schnell gehen. Die Schulstunde  wurde kurzerhand unterbrochen und das Eis verteilt … d.h. zum  Schluß  war  es mehr ein Eisgetränk, was die was die Freude aber nicht trübte. Speziell für die ganz Kleinen ein Riesenspaß. Dieser Tag ist mittlerweile für die Kinder in der Schule ein Festtag.

 

An einem der Samstage, wo das Personal in der Küche der Schule seinen freien Tag hatte, beschlossen wir unser Abschiedsessen in einem nahegelegenen Restaurant einzunehmen. Große Freude bei unseren Kindern, denn einige waren vorher noch nie in einem Restaurant gewesen. Wegen unserer  kleineren Mädchen fand  dieses Essen so gegen 16.00 Uhr  statt. Alle waren da, auch diejenigen, die bereits im Studium sind und anreisen mußten. Wir hatten ein paar sehr vergnügte Stunden miteinander, leider kam dann der Abschied, der uns allen nicht leicht fiel, aber wir sehen uns ja wieder!!!!

 

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